aus "Kapellen im Saarland - Volks- und Kulturgut" von Dr. Benno König, Selbstverlag 2010, Seite 465-467
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Dr. Benno König
Die Hauptverkehrsstraße von Walpershofen nach Köllerbach führt durch den kleinen Ortsteil Etzenhofen. Dort steht in der Ortsmitte an der rechten Straßenseite die Wendalinuskapelle. Obwohl sie erst im 19. Jahrhundert gebaut wurde, gibt es unterschiedliche Zeitangaben und Begründungen ihrer Errichtung. Zunächst wird ein Johann Maas genannt, der mit wenigen Überlebenden aus dem schrecklichen Russlandfeldzug Napoleons I. halb erfroren heimgekehrt ist.(1) Auf seine Initiative hin soll dann 1847 die Kapelle erbaut worden sein, die das Patrozinium "Maria im Schnee" erhalten habe. Die zweite Version gründet auf der Rinderpest, die im Winter 1866 ausgebrochen und in vielen Ställen des Köllertals den Rinderbestand dezimiert hat. Tiefe Besorgnis trieb damals einige Bauern aus Etzenhofen zu dem Entschluss, gemeinsam mit ihren Familien zu Fuß nach St. Wendel zum Grab des hl. Wendelin zu pilgern. Dort sollen sie dem Heiligen ein Gelübde gemacht haben, dass, wenn die große Not von ihnen abgewendet würde, sie ihm zu Ehren eine Kapelle bauen wollten, damit er ihnen mit seiner Fürbitte für immer nahe sei. (2)
Nach der weiteren Darstellung muss die Bitte der Wallfahrer wohl erhört worden sein. Dannach stellten die Bauern Johann Maas und Mathias Prinz die erforderlichen Grundstücke zur Verfügung und besorgten Bruchsteine für die Kapelle. Als 1867 mit ihrem Bau begonnen wurde, halfen die Männer von Etzenhofen fleißig mit. Doch der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 unterbrach zunächst einmal die Arbeiten. Erst als die Soldaten aus dem Krieg heimgekehrt waren, konnte die Kapelle weitergebaut und 1873 von Pfarrer Matthias Porten benediziert werden. Bei ihrer Einsegnung wurde sie unter den Schutz des hl. Wendalinus gestellt. Der Name des Pfarrers Porten wurde 1901 noch einmal erwähnt. Damals erhielt die Kapelle nämlich eine Glocke mit folgender Inschrift:
IM JAHRE 1901 HAT DIE FAMILIE PRINZ ZU ETZENHOFEN
DIESE GLOCKE
GEGOSSEN VON FIRMA MABILON & CO. IN SAARBURG
UM ZU EHREN DER LIEBEN GOTTESMUTTER MARIA
BENEDIZIERT ZU WERDEN VON J.M. PORTEN
DER KAPELLE GESCHENKT
Bis 1947 war die Kapelle im Privatbesitz einiger Familien von Etzenhofen, die sie dann der Kirchengemeinde Herz Jesu Köllerbach übertragen haben. Danach konnte sie 1952 unter Leitung des Pfarrers Johann Loch renoviert werden. Die Kosten hierfür wurden überwiegend von der Etzenhofer Bevölkerung aufgebracht. Bei den Renovierungsarbeiten wurden u.a. ein Rundbogenfenster in der Stirnwand des Chorraumes zugemauert, an den Außenwänden ein neuer Strukturputz aufgebracht und eine cirka 1,70 m hohe Steinstatue des hl. Wendalin, die Ernst Brauner aus Lebach/Landsweiler gefertigt hat, in die Nische über dem Kapelleneingang gestellt. Die Kapelle selbst, die aus einem rechteckigen Schiff und einem trapezförmigen Chorraum besteht (lichte Breite rd. 6,50 m, Gesamtlänge 10,45 m), blieb in ihrer Form bestehen.
Als 1976 während eines Totengebetes ein großes Stück Putz von der Decke fiel, musste die Kapelle umgehend geschlossen werden. Eine Untersuchung ergab, dass Holzteile des Daches und der Decke teilweise schon an- oder gar durchgefault waren. Einmütig sprachen sich die Etzenhofer Bürger für die baldige Renovierung ihrer Kapelle aus. Nach den Untersuchungen des erfahrenen Kirchenarchitekten Karl Peter Böhr aus Trier und einer statischen Berechnung für die tragenden Bauteile mussten der Dachstuhl, die Schiefereindeckung, die Klempnerarbeiten, das Gewölbe (eine korbbogenförmige Rabitzkonstruktion), der Innen- und Außenputz, der Fußboden und die Eingangstür erneuert werden. Als Abschluss des Mauerwerks wurde ein Ringanker aus Stahlbeton angeordnet. Aus architektonischen Gründen erhöhte der Planer den First von 6,75 m auf 7,75 m. Auch den Dachreiter hob er um 1,00 m auf nunmehr 11,50 m an. Wegen den neuen Außenwand-Gasheizöfen ließ der Architekt auch den Rundbogeneingang an der rechten Seitenwand zumauern. Damit aber nicht genug, denn die vier bleiverglasten Rundbogenfenster (90 cm breit und 1,45 m hoch) mussten ebenfalls erneuert werden. Für jedes dieser Fenster entwarf der Konzer Walter Bettendorf ein Motiv aus dem Leben des hl. Wendalin. Innerhalb der Gesamtmaßnahme erhielt der Innenraum noch eine Ausmalung. Auch wurde der Sandsteinaltar (1,00 m breit, 2,05 m lang, Höhe bis Oberkannte Altartisch 1,19 m und Gesamthöhe 2,44 m) und die Statue des hl. Wendalin (1,00 m hoch) von der Firma Niespor aus Zell/ Mosel restauriert. In der 60 cm hohen Nische des Retabels steht ein von Ortspfarrer Hans Penth 1978 gespendetes Kreuz, in dem eine Knochenrelique des hl. Wendalin eingelassen ist. Neben dieser Reliquie sind noch der Kreuzweg (Bilder, die ohne Rahmen 40 cm breit und 51 cm hoch sind) und die 70 Stühle mit Binsengeflecht zu nennen, die dem Raum eine besondere Note verleihen
Die nächste Renovierung erfolgte nach den Unterlagen der Pfarrgemeinde im Jahr 1999, als folgende Arbeiten ausgeführt werden mussten: Dachreparaturen, Erd-, Kanal- und Entwässerungsarbeiten, Ausbesserungen am Außenputz, Sanierung der Gewände an der Eingangspforte und den Fenstern, sowie eine Erneuerung des Außenanstriches. Nur drei Jahre später war eine Instandsetzung der Glocke notwendig. Das alles kostet viel Geld. Lobend ist hier hervorzuheben, dass die Stadt Püttlingen sich an den Kosten der nächsten Renovierung beteiligen wird. Im Oktober 2005 erklärte nämlich Bürgermeister Speicher u.a.: "Im nächsten Jahr wird die Stadt Püttlingen in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Herz Jesu Köllerbach einige Renovierungsarbeiten vor Ort durchführen. Die Kapelle erhält einen neuen Innenanstrich, die Mauer ringsum wird renoviert und der Zaun erneuert. Außerdem werden Bänke und Sitzgelegenheiten aufgestellt.(3)
Nur das gemeinsame Miteinander der Pfarrgemeinde, der Zivilgemeinde und der privaten Spender können die künftige Nutzung der Wendalinuskapelle gewährleisten. Derzeit wird noch alle 14 Tage eine heilige Messe gelesen, die Trauergemeinden treffen sich zum Totengebet, ab und zu findet eine Hochzeitsmesse statt und seit 2001 treffen sich die Gläubigen von Etzenhofen wieder jährlich am Wendalinusfest zu einer Messfeier, was in den vorhergehenden Jahren nicht mehr der Fall war. Früher, genau seit 1957, war es Brauch am Wendalinusfest nach der Messe eine Pferde - und Fahrzeugsegnung vorzunehmen. Wegen des zu starken Verkehrsaufkommens in der Hauptstraße musste seit 1968 bis Mitte der 1980er Jahre die Segnung auf den Festplatz in Kölln (Ortsmitte Köllerbach) verlegt werden. Statt dieser Segnung pilgert heute nach der Messfeier eine Prozession von der Kapelle in das Etzenhofer Kelterhaus zu einem "Brunch", wie sich die Etzenhofer neuerdings ausdrücken. Dort werden die Besucher von einheimischen Frauen, die zu ihrer Arbeit auch noch einiges an Geld investieren, gut bewirtet. Den Erlös dieser Veranstaltung stellt die Pfarrgemeinde ausschließlich für die Unterhaltung der Kapelle zur Verfügung. Für die Pflege benötigte die Pfarrei erfreulicherweise keine Mittel, denn diese wurden über viele Jahre von Katharina Jungmann und den Eheleuten Agnes und Jakob Dörr selbst aufgebracht. Seit 2001 werden diese Aufgaben und zusätzlich noch die Küsterdienste von Monika Altpeter ausgeführt. Lobend ist noch zu erwähnen, dass am ersten Adventsonntag 2005 erstmals ein ökomenischer Gottesdienst in der Kapelle gehalten wurde. Spontan haben sich anschließend zahlreiche Besucher der beiden christlichen Konfessionen dafür ausgesprochen, künftig jedes Jahr diesen Gottesdienst zur gleichen Zeit gemeinsam zu feiern.
(1) Vgl. Die Etzenhofer Kapelle. In: Broschüre der Pfarrgemeinde Her Jesu Püttlingen-Köllerbach 1978, S. 5.
(2) Ebd. Alle weiteren Daten bis 1978 sind dieser Broschüre entnommen.
(3) Öffentlicher Anzeiger der Stadt Püttlingen vom 26. Oktober, ohne weitere Kennzeichnung